Alireza Daryanavard wurde in Wien vor allem durch seine Stück „Ein Staatenloser“ bekannt. Das Solostück wurde unter anderem im WerkX Petersplatz und in der Säulenhalle des Weltmuseums aufgeführt. Als Künstler, der im Iran verfolgt wurde und fliehen musste, ist er nun im Exil immer wieder mit Zuschreibungen konfrontiert. In seinem Solostück arbeitet er genau damit und er zeigt vor allem auch die Gründe der Flucht auf, die oft in Vergessenheit geraten.
Darüber hinaus möchten wir hier generell Alireza Daryanavard als Künstler porträtieren. Sein Tun am Theater beschränkt sich nämlich nicht auf das Schauspiel, im Gegenteil. Er schreibt Stücke, führt Regie, macht oft auch Musik auf der Bühne, schreibt Einreichungen für Förderungen und Festivals. Er selbst fasst seine vielseitigen Aufgabengebiete mit einem Wort zusammen und beschreibt sich selbst als Theatermacher.
Alireza, wir freuen uns, dass wir heute die Gelegenheit haben, mehr über dich und deine künstlerische Arbeit zu erfahren. Anfangs würde uns natürlich interessieren - wie bist du zum Schauspielen gekommen?
Alireza: keine Ahnung, das war kein konkreter Zeitpunkt. Ich war schon immer von der Bühne begeistert. Irgendwann habe ich angefangen als Kind vor dem Spiegel Szenen zu spielen. Erst als ich 10 war, habe ich begonnen das ernster zu nehmen. Es war auch Glück. In unserer Schule arbeitete ein bekannter Autor, der mich gesehen hatte. Er hat mich ins Nationalfernsehen mitgenommen, mit 12 bekam ich eine Rolle in einer Serie. 
Oft wurde ich gefragt, was ich einmal werden möchte. Ich habe darauf gesagt, dass ich nur drei Wünsche habe. Entweder Schauspieler, Fernsehmoderator oder Sänger. Zum Schluss habe ich dann alle drei Träume verwirklicht.
Was liebst du an deinem Beruf?
Alireza: Dass er so individuell ist. Du kannst deine Individualität, also das was ganz tief in dir drinnen ist, rauslassen. Diese Eigenheiten werden dann später im Kollektiv bearbeitet. Und alles zusammen ergibt dann das Werk. 
Woran arbeitest du zurzeit? 
Alireza: Mein aktuelles Stück heißt „Blutiger Sommer“ und hat am 27. Februar 2020 Premiere.  Hinter dem Projekt stehen zwei Jahre Recherche. Ich habe mich dabei mit der iranischen Geschichte vor 150 Jahren, wo der Kampf für Demokratie begonnen hat, beschäftigt. Die Frage dahinter ist, warum 10 Mio. Iraner im Exil leben und es im Iran immer noch keine Demokratie gibt. Ich bin in meiner Recherche auf Massenhinrichtungen in den 80er Jahren gestoßen, worüber im Iran bis heute nicht gesprochen wird. Die Täter sitzen aktuell noch unbescholten in Ministerien. Ich habe Überlebende, die nun in Schweden, der Schweiz und in Deutschland leben kontaktiert und interviewt. 
Dein Stück „Ein Staatenloser“ war sicher ein Sprungbrett für dich, oder? 
Alireza: Ja das denke ich schon. Das Stück ist sehr gut angekommen. Ich habe „Ein Staatenloser“ an vielen Theatern in Wien und auch in Deutschland gespielt. 
Wie lange hast du an „Ein Staatenloser“ gearbeitet? Und was war dir inhaltlich wichtig?
Alireza: Geschrieben habe ich ungefähr ein Jahr. Die konkrete Probenzeit war zwei Monate. Ich wollte über den Ort reden, wo ich aufgewachsen bin und die Ursachen meiner Flucht. Und zeigen, was dann noch folgt- also, wenn man in einem neuen Land angekommen ist. Mein Schlussmonolog „Heimat ist nur ein Wort“ hat für mich die größte Bedeutung. Wenn die Leute wissen würden, wie schnell gesellschaftlich alles anders sein kann, würden sie niemals denken, dass Heimat das Wichtigste ist. 
Wie siehst du das Thema Flucht in der Theaterszene? Dieses Thema wurde in den letzten Jahren, natürlich wegen seiner Aktualität oft behandelt.
Alireza: Es gibt sehr viele „soziale“ Theaterprojekte, wo eben Laien auf der Bühne sind, sich an die eigene Fluchtgeschichte erinnern und die eigenen Erfahrungen einbringen sollen. Das ist für mich sehr problematisch, das sehe ich sehr kritisch. 
Eine Frage stellen wir immer und wir sind gespannt, wie es bei dir war - Wann war deine Kunst der Stunde?
Alireza: Das erste Mal hatte ich das Gefühl, als ich mein erstes Stück im Iran inszeniert habe. Ich habe einen Text geschrieben, der sehr tief aus meinem Inneren kam. Und ich war mir nicht sicher, ob den jemand auch spielen kann. Ich habe den Text zwei Schauspielern gegeben und als ich zum ersten Mal sah, was die beiden aus dem Text gemacht haben, war ich sehr begeistert. Zu diesem Zeitpunkt war ich 15. 
Und das letzte Mal war glaub ich vor zwei Wochen. Ich war im Studio und habe an einem Text für „Blutiger Sommer“ gearbeitet und irgendwann konnte ich nicht mehr, da der Text so krass war. Ich hatte das Gefühl, dass ich weinen muss und eine Pause brauche. Auf jeden Fall musste ich raus aus dem Studio und habe mir bei einem Würstelstand ein Bier gekauft und über meine Arbeit nachgedacht und war auch echt stolz. Also generell auf das Theater. Dass das möglich ist. Das man durch das Theater Geschichten erzählen kann. Dass Geschichten weitergegeben werden. Ja und dann war ich sehr glücklich, dass ich Theater machen kann. 
Gibt es noch irgendwas, was du uns noch mitteilen möchtest? Oder ist alles gesagt?
Alireza: Es hat mich gefreut und ich danke euch.

 

"Blutiger Sommer" feiert seine Premiere im WERK X-Petersplatz am Do 27. Februar 2020 um 20.00 Uhr


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